Bärgida und Völkerverständigung


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Als wir letztens in Berlin waren, kamen wir nicht umhin so eine Art Rosenmontagszug von BärGiDa (ja, die nennen sich wirklich so) mitzuerleben. Das Ironische: Wir haben diese Demo nur deshalb mitbekommen, weil wir wegen des Staatsbesuchs von Netanjahu und zahlreichen Straßensperrungen einen anderen Weg nehmen mussten und so die Bärgida-Demo gekreuzt haben.

Nun ist BärGiDa in Berlin nicht gleich Pegida in Dresden und so waren es auch nur rund 100 bis 200 Demonstranten, die für sich „Wir sind das Volk“ reklamierten. Es wirkte aber eher wie „Das Volk ist wirr“ oder Sushis Variante „Wirsing das Volk“. Das Polizei-Aufgebot hatte schon fast Münchner Qualitäten – mindestens doppelt so viel Polizisten wie Demonstranten. Dafür gab es so gut wie keine Gegendemonstranten. Auch am Straßenrand dominierten eher Dönerbuden und andere „Gewerbe mit Migrationshintergrund“, denen das Thema BärGiDa sichtlich egal war.

Was das ganze Thema nun interessant machte, war die sehr eigenwillige Konstellation der Teilnehmer. Da waren sowohl Mutter mit Kind, die fröhlich jedem Passanten im Vorbeidemonstrieren zuwinkten, als auch die obligatorischen Neonazis, von denen sich Pediga ja immer so vehement distanziert. Und damit das ganze endgültig nach Rosenmontagsumzug aussah, gab es auch ein Auto mit Lautsprechern, von dem nonstop Musik erschallte, die nach „Rainhard Mey singt Texte von Thilo Sarrazin“ klang.

Und zu jeder guten rechtspopulistischen Demo gehörten natürlich auch zahlreiche Flaggen. Den Großteil bildeten immerhin die Deutschlandflaggen. Dann gab es einige Wirmer-Flaggen (lohnt sich nachzugooglen, was es damit auf sich hat: Wikipedia) und natürlich auch die etwas eindeutigeren Flaggen, wie das eiserne Kreuz, die alte schwarz-weiß-rote Reichsflagge oder die kaiserlich preußische Flagge.

Aber eine Flagge hätte ich nicht erwartet. Da gab es doch tatsächlich bei BärGiDa eine Gruppe Juden, die mit stolz erhobener israelischer Flagge mitmarschierten. Nun ja, die Logik, nach der auch Juden gegen die Islamisierung des Abendlandes demonstrieren, ist zumindest nachvollziehbar, aber dass sie deshalb Seite an Seite mit den Neonazis bei BärGiDa marschieren hab ich echt nicht glauben mögen.

Das „Highlight“ war dann die Abschlusskundgebung. Ich hatte nochmal ordentlich Propaganda erwartet, aber offenbar war der Mann am Mikro kein Neonazi sondern eher jemand aus der Gruppe gutbürgerlicher besorgter Bürger. Fast eine Viertelstunde wurde mit den Teilnehmern diskutiert, ob man die Demo nicht nächste Woche um eine halbe Stunde verschieben könnte, damit der national-patriotische Protest zur Rettung des Abendlandes etwas sozialverträglicher gestaltet werden kann. Es ging um Themen wie geplante Marschrouten – vielleicht fanden es nicht alle ganz glücklich die Abschlusskundgebung umringt von lauter Dönerbuden und Co. abzuhalten – und es ging um organisatorische Themen, wer nächste Woche welches Plakat mitbringt.

Zum Abschluss wurde dann noch gesungen und zwar das Deutschlandlied. Alle drei Strophen mit Lautsprecher!!! Und über allem wehte der Davidstern. Ich mag es ja kaum sagen, aber sowas nennt man Völkerverständigung. 70 Jahre Wiedergutmachung und Annäherung waren völlig für die Katz. Wenn man nur genug Muslime ins Land lässt, dann wehen Juden ihre Flagge zu Deutschland Deutschland über alles? Ich hab echt nur noch den Kopf geschüttelt.

Ich hab etwas nachrechechiert und bin dann auf JewGida gestoßen: Juden gegen die Islamisierung des Abendlandes. Konkret im Falle von BärGiDa geht das auf einen amerikanischen Juden zurück, der auf BärGiDa-Kundgebungen unlängst schon schlüssig hergeleitet hat, warum nicht die Nazis, sondern die Islamisten für den Antisemitismus in Europa verantwortlich sind. (Mehr dazu unter (der nicht weniger ideologischen) Website: Netz-Gegen-Nazis)

Wenn ich diese Der-Feind-meines-Feindes-ist-mein-Freund-Logik weitertreibe, dann hab ich auch schon so eine Idee wie man Integration von Flüchtlingen sinnvoll vorantreiben kann. Ich seh schon eine unheilvolle Allianz aus Arabern und Neonazis gegen Homosexuelle marschieren, geführt von Akif Prininçci (eine Kostprobe: YouTube). Wenn Völkerverständigung doch immer so einfach wäre.

Bilder habe ich nur ein einziges brauchbares gemacht. Aber es ist nicht schwer entsprechende Bilder zu googlen. Einfach mal nach BärGiDa oder noch besser JewGiDa suchen und man findet genug.

 

Kommentare zu “Bärgida und Völkerverständigung”

  1. Herrlichst!

    Alternativ zu „Wirr ist das Volk“ möchte man der PR-Abteilung auch „Hier s(t)inkt das Volk“ oder wahlweise „Wir sind ganz (v)oll“ vorschlagen.
    Wunderschön auch die Abschluss“kundgebung“. „Nun zum Buffet für das nächste Mal. Luise, der Theo möchte dich bitten, die Nüsse aus dem Bienenstich zu lassen, er ist alergisch darauf. Und aus Irmgards Nudelsalat ist das Besteck geklaut worden. War sicher wieder dieses Pack. Zuletzt noch: Elfriede lädt in zwei Wochen nach der Demo zum gemeinsamen Ostereiermalen ein. Falls ihr die Farben schwarz, rot und gelb vom letzten Jahr noch auf Lager habt, bringt sie mit, die gehen immer so schnell alle.“

    P.S.: Bin bis dato immer noch nicht über den Beitrag hier benachrichtigt worden :-/

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