Robur Teil II


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Ich hätte vor ein paar Monaten gar nicht gedacht, dass es zum Robur mal einen Teil II geben würde. Aber leider gibt es mehr als genug seitdem zum Thema Robur zu berichten. Wer sich das nun folgende Gejammere über deutsche Behördenwillkür, Dekra-Schikane etc. sparen möchte, dem sei gesagt: Inzwischen liegt alles hinter uns und wir können nach Belieben mit dem Robur fahren. Allen anderen hier die Geschichte zu dem, was seit dem ersten Beitrag zum Robur passierte:

Also kurze Wiederholung. Wir haben uns im September einen Robur gekauft. Neuer TÜV war drauf und er war auf 3,5 t. abgelastet, so dass wir ihn mit einem ganz normalen PKW-Führerschein der Klasse B fahren durften. Gesagt, getan, gekauft, geholt und gut. Wir wollten mit der Anmeldung noch einen Monat warten, da wir ihn dann gleich als Oldtimer hätten zulassen können. Gut, dachten wir uns, warten wir den Monat, schauen uns vorher die paar technischen Wehwehchen an und bringen das in Ordnung und dann das Oldtimergutachten, ab zum Amt damit und fertig.

Teil I: Die technische Reparaturen

Also, schon mal die gute Nachricht: Es waren weder Batterie noch Anlasser defekt – hätte man schließlich vermuten können, wenn er nicht starten will und ständig die Batterie leer ist. Auf der Fehlersuche stellten wir zunächst fest, dass die Lichtmaschine nicht funktioniert. Also Lichtmaschine ausgebaut, auseinandergebaut und dann konnte auch der technisch unversierteste Laie schnell erkennen: Wenn man das Gehäuse aufmacht und zahlreiche Drähte recht ungeordnet ohne Anschluss in alle möglichen Richtungen zeigen, dann ist das so nicht gewollt. Also neue Lichtmaschine besorgt (danke Jochen!), eingebaut und schauen was es bringt: nämlich gar nix. Die Lichtmaschine war zwar ganz offensichtlich defekt, aber mit dem Anlasser-Batterie-Problem hatte das offenbar nix zu tun.

Im Ergebnis hatten wir also einen Fehler gefunden, haben ihn behoben um dann festzustellen, dass es offensichtlich nichts mit unserem eigentlichen Fehler zu tun hatte. Schwer zu sagen, ob man sich dann wirklich darüber freut, dass das Problem mit der Lichtmaschine beseitigt wurde. Danach standen rund 2 Tage Fehlersuche auf dem Programm. So haben wir als nächstes den Anlasser ausgebaut und ihn mit einer anderen Batterie getestet: lief wunderbar. Jochen war ganz begeistert, wie gut der lief, mir fiel es aber wieder schwer mich zu freuen, weil etwas funktionierte – lieber hätte ich gewusst, was nicht geht. Also weitersuchen. Irgendwann sind wir auf das Kabel gestoßen, welches von der Batterie zur Karosserie führte. Nicht dass wir danach gesucht hätten, aber Jochen hatte sich die Finger dran verbrannt. Nachdem das eigentlich nicht hätte heiß werden sollen, war das ja mal eine Spur. Kabel ausgebaut und siehe da: Das war ein Kabel Marke Eigenbau. Ein dicker Alustrang, der am Ende plattgekloppt wurde, in den ein Loch gebohrt wurde, das dann an die Karosserie geschraubt wurde. Soweit so gut, kann man machen, nur hätte man dann das Bohrloch wenigstens glattschleifen sollen. So war die Kontaktfläche zwischen Kabel und Karosserie beschränkt auf ein paar Aluzacken, die aus dem Bohrloch ragten und den Stromfluss herstellten. Über diese Aluzacken musste aber gerade beim Start soviel Strom übertragen werden, dass die einfach glühten und wegschmolzen. Und jeder der in Physik etwas aufgepasst hat, weiß, dass sich ein glühendes Kabel nicht wirklich gut als Stromleiter eignet (abgesehen davon, dass es auch nicht gerade gesund für eine Batterie ist, wenn sie dazu verwendet wird, Kabel zum glühen zu bringen).

Also Kabel ausgebaut, neues Kabel eingebaut und wieder nix. Abermals die immer noch unbeantwortete Frage, ob man sich jetzt besser fühlt, weil man wieder einen Defekt behoben hat. Der nächste Versuch war, den Starter direkt in eingebautem Zustand an eine fremde Batterie zu hängen. Aber nachdem uns ein Starterkabel dabei durchschmorte war schnell klar, dass da offenbar noch ein größeres Problem vorlag. (Das Starterkabel war immerhin für Stromstärken bis 300 A ausgelegt !!!) Des Rätsels Lösung: Der Motor ist über ein dickes Metallband mit der Karosserie verbunden. Nun ist dieses Metallband deshalb ziemlich dick, damit im Ernstfall auch ordentliche Stromstärken übertragen werden können. Etwas konterkariert wird das natürlich, wenn man es dann nur mit einer ziemlich popeligen nicht ganz festgedrehten Schraube an der Karosserie befestigt. Über diese Schraube musste schließlich auch der ganze Strom und diese Schraube hat sich dank der nicht unbeträchtlichen Stromstärken einfach mal an die Karosserie geschweißt. Also das Kabel auch noch ordentlich befestigt und wieder banges Hoffen. Und tatsächlich, der Starter funktionierte danach 1A (nur die Batterie war etwas ramponiert und wurde später ausgetauscht).

Jetzt waren nur noch „Kleinigkeiten“ wie eine nicht funktionierende Hupe und ein nicht funktionierendes Rücklicht zu erledigen. Die Hupe ließ sich recht leicht beheben (nachdem man das Lenkrad mitsamt Elektronik auseinandergebaut hatte und dann mit ein paar zusätzlichen Lüsterklemmen wieder zusammengebaut hatte), das Rücklicht wurde interessanter: Erst sag ich großspurig: Och, ein Lämpchen auswechseln kann ich auch alleine. Nur dass das Lämpchen nicht defekt war. Dann sagte ich: Och, wird ne Sicherung sein. Und tatsächlich war eine durchgebrutzelt. Also ausgewechselt (direkt nachdem ich mir die nie zuvor gesehenen DDR-Sicherungen besorgt hatte) und kaum dass ich es anmache brennt mir die neue Sicherung wieder durch. Och, nehm ich eine etwas robustere Sicherung, dachte ich mir, aber als dann die 5 Watt Lampe offenbar mehr als 25 Ampere brauchte, wurde ich stutzig. Es schloss sich wieder ein Tag Fehlersuche an, bis sich rausstellte, dass ein Lämpchen in der Hintergrundbeleuchtung der Öldruckanzeige einen gebrochenen Draht hatte, der dazu führte, dass es unter bestimmten Umständen (Licht an, Armaturenbeleuchtung an, Motor aus) einen Kurzschluss gab, der die Sicherung des rechten Rücklichts durchbrennen ließ. Also aus einem Schlachtreifen Trabbi eine entsprechende Hintergrundbeleuchtung aus dem Armaturenbrett ausgebaut und bei mir in die Öldruckanzeige eingebaut und es lief. (Hätte man auch gleich drauf kommen können.)

Nun ja, das war der technische Teil. War viel Arbeit und einiges an Nerven, hat aber sogar etwas Spaß gemacht. Nun kommt der erheblich unschönere Teil.

Teil II Die Zulassung

Ursprünglich hab ich mir ja gedacht, ich wart ’nen Monat, lass irgendeinen Prüfer ein H-Gutachten erstellen, gehe zur Zulassungsstelle und sage: „Da! Will nen Oldtimer haben.“ Aber weit gefehlt. Denn mein Robur ist ja kein gewöhnliches Auto, sondern ein „Sonder Kfz Zivilschutz und Katastrophen Einsatzwagen“ (laut Fahrzeugschein) und das darf ich als Privatperson überhaupt nie und nimmer fahren und erst recht nicht anmelden. Rund zwei Dutzend Telefonate (nicht übertrieben) mit verschiedenen Werkstätten und Behörden hatte ich durch, bis ich rausfand, was zu tun war. Das Fahrzeug braucht eine nach § 21 zu erteilende „Einzelbetriebserlaubnis“ und muss neu zugelassen werden mit einer zivilen Nutzungsart. Zugegebenermaßen hab ich diese Information auch bereits in meinem zweiten Anruf mitgeteilt bekommen, und wenn sich die restlichen 20 Anrufe nicht alle konsequent gegenseitig widersprochen hätten, bezüglich dessen, was ich jetzt zu tun hätte, hätte ich das auch viel eher geglaubt. Wie ich auch rausfand, darf eine Neuzulassung mit einer Einzelbetriebserlaubnis in Brandenburg NUR die Dekra vornehmen, sonst niemand, auch der TÜV nicht. Also Kurzzeitkennzeichen geholt, ab zur Dekra und gesagt was ich wollte (nachdem ich das vorher mit der Dekra-Zentrale geklärt hatte).

Antwort die ich vor Ort bekam: „Geht nicht!“ – „Warum?“ – „Geht halt nicht!“ – „Warum geht das nicht?“ – „Weil halt.“ – „Aber ich hab mit der Zentrale telefoniert, die haben mir gesagt…“ – „Dann soll die Zentrale das machen.“

Also ruf ich von der Dekra-Niederlassung mit meinem Handy die Zentrale an, telefonier mit denen und die sagen mir „Klar geht das.“ Ich geh wieder zum Prüfer und geb ihm MEIN Handy ans Ohr (nachdem er sich weigerte selbst in der Zentrale anzurufen) und lass ihn mit meinem Handy mit der Zentrale telefonieren. Er verschwindet daraufhin telefonierend mit meinem Handy und kommt ca. 10 Minuten später (immer noch telefonierend mit meinem Handy) wieder und erklärt mir dann: „Wir machen nun eine zivile Neuzulassung nach §21.“ Ab dem Moment war klar, dass wir keine Freunde mehr werden würden. Ich fragte dann, wie es ausschaut mit dem H-Gutachten, woraufhin er meinte. „Geht nicht.“ Dann ging das Gespräch wieder von vorne los, hab’s aber in diesem Fall aufgegeben, weil auch in der Dekra-Zentrale an diesem Tag niemand war, der über H-Zulassungen von Fahrzeugen nach § 21 genau Bescheid wusste.

Also, los ging die Neuzulassung. Dass erst vor einem Monat eine vollständige Hauptuntersuchung gemacht wurde (von der Dekra) interessierte ihn wenig. Für eine Neuzulassung sei die nunmal Vorschrift. Also nochmal das volle Programm. Dann stellte sich raus: Er hat keinen Bremsenprüfstand für LKWs. Also sollte ich zu einer benachbarten Mercedes-Werkstatt und dort auf den Bremsenprüfstand. Mein Einwand, dass der Robur Allrad hat, interessierte ihn wenig. Ich fahr also auf den Bremsenprüfstand (nur mit der Vorderachse) und sollte nun mal Gas geben. Ich hab ihn nochmals diesmal etwas deutlicher und unhöflicher darauf hingewiesen, was wohl passieren wird, wenn ich mit Allrad Gas gebe, solange eine Achse noch auf dem Asphalt steht. Denn dann mache ich sehr schnell einen Bremsentest der unfreiwilligen Art. Das sah er dann auch ein (das erste, was ich sagte, dass er einsah). Also sollte ich einen Funktionstest auf dem Gelände machen. Soll heißen: Ich fahr los, mach eine Vollbremsung und er schaut zu. Nun bremst der Robur ziemlich gut (wie überhaupt alles ziemlich gut an ihm funktioniert) und bei einer Vollbremsung stand ich folglich mit blockierenden Reifen nur auf der Vorderachse – die Hinterachse war komplett in der Luft. Daraufhin meint er allen Ernstes zu mir, dass so nicht überprüft werden kann, dass die Hinterachse auf beiden Seiten gleichmäßig bremst. Nachdem ich weitere Bremstests absolvierte, kam er zum Ergebnis „Bremsen sind wohl in Ordnung, aber die Handbremse bremst links und rechts ungleichmäßig.“ Aber er fand noch weitere Sachen. Die Abdeckung der Blaulichter passte ihm nicht (es gibt wohl vorgeschriebene DIN-Kappen aus Plastik dafür), hinten drin standen zwei Kisten, die hätten nicht da drin stehen dürfen etc. Dann ging es noch um die Ablastung. Schließlich wurde die Ablastung von der Dekra erst vor wenigen Wochen vorgenommen, ich hatte eine Bescheinigung der Dekra über das neue Leergewicht, hatte die vollzogene Ablastung schriftlich und hatte nicht erwartet, dass es da auch nochmal Schwierigkeiten geben würde. Lange Rede kurzer Sinn: Er Bestand drauf, dass die Ablastung nochmals an Ort und Stelle durchgeführt werden sollte, schließlich hätte ich die letzten Wochen ja dazu verwenden können, mutwillig das Leergewicht zu erhöhen. Als ich dann nach einigem Hin und Her einwilligte und sagte „Na gut, machen wir die Ablastung um Gottes Willen halt nochmal, damit es nicht daran scheitert“, da meint er: „Geht nicht. Er hat keine Waage dafür.“ Die Lösung: Wieder zu einer anderen Firma gefahren, nochmals gewogen und Überraschung, der Robur ist zwischenzeitlich nicht schwerer geworden. Am Ende stand dennoch das (fast schon zu erwartende) Ergebnis: Neuzulassung kann nicht erteilt werden, weil es Mängel gibt (oben erwähnte). In ca. einer Woche könnte er sich die Behebung der Mängel anschauen und dann vielleicht eine Neuzulassung erteilen. Der gesamte Vorgang dauerte rund 4 Stunden – mit An- und Abfahrt waren es ca. 6 Stunden. Eigentlich hätte ich bereits nach den ersten fünf Minuten ahnen können, dass ich hier garantiert wieder unverrichteter Dinge wegfahren werde.

Teil III Nochmal: Die Zulassung

Weil ich beim besten Willen keinen Nerv mehr hatte, diesen Menschen von der Dekra jemals wiederzusehen, hab ich den Robur einer Werkstatt gegeben (die genau diesen Robur vom Vorbesitzer her schon kannte) und sie die Dekra-Formalitäten machen lassen. Nach rund 1,5 Wochen hatte ich dann ein längeres Telefonat wegen dem Robur und der Werkstatt. Sie hätten noch nie mit einem Fahrzeug so viel Ärger mit der Dekra gehabt, hieß es. Ob am Ende der Typ, mit dem ich zu tun hatte aus Rache zahlreiche interne Eintragungen vorgenommen hatte zu dem Fahrzeug oder ob es einfach nochmal wieder Pech mit der Dekra war – keine Ahnung. Aber nach Auskunft der Werkstatt hatten sich am Ende satte fünf Prüfer von der Dekra eingemischt (selbst irgendein Dekra-Oberguru aus Schleswig-Holstein war involviert). So wie mir die Story der Werkstatt zusammengefasst wurde, schien wohl auch der Werkstatt gegenüber Schikane das Leitmotiv der Dekra gewesen zu sein. Die Werkstatt schaltete am Ende noch ihren eigenen Anwalt ein und im Ergebnis kam die Dekra nicht umhin und musste offenbar sowohl die Einzelbetriebserlaubnis nach §21 als auch den Oldtimer-Status bestätigen. Aber das kam mich teuer zu stehen. Zum einen hatte die Werkstatt einiges an Arbeit, Zeit und Geld reininvestieren müssen, zum anderen hatte die Dekra lauter idiotische Kleinigkeiten durchgesetzt – ihre persönlichen Teilerfolge. Von Abdecken der Blaulichter war nicht mehr die Rede, sie Bestand auf völliger Demontage, inklusive der Anschlüsse, und Rückbau der Gitterkästen für die Blaulichter etc. Auch diverse Schriftzüge mussten überklebt werden und irgendwelche Aufkleber entfernt werden etc. – die Liste war lang.

Was mich aber am meisten störte war das Thema Ablastung. Nicht nur, dass die Dekra zunächst die ursprüngliche Ablastung vorgenommen hatte. Es war auch die Dekra selbst, die ihrer eigenen Ablastung nicht glaubte und sie ein zweites Mal vornahm. Als der Wagen dann in der Werkstatt war, hat sich die Dekra diesmal mit viel Mühe eine Anweisung des Kraftfahrtbundesamtes gesucht, mit der sie eine Rückgängigmachung der Ablastung begründeten. Diese Begründung ging wie folgt: Nach erteilter Einzelbetriebserlaubnis ist der Robur kein Katastrophenschutzfahrzeug mehr, sondern nur noch schnöde „LKW Plane und Spriegel“. Dies fällt aber formal gesehen in die Kategorie Nutzfahrzeuge (auch wenn es ein Oldtimer ist). Für Nutzfahrzeuge gibt es aber eine (nicht mal verbindliche) Anweisung, die sagt, dass das zulässige Gesamtgewicht mindestens 125% des Leergewichts betragen SOLL (nicht muss). Und dies Argument zu Grunde gelegt, hätte der Robur aber nur 2800 kg wiegen dürfen. Wenn der Tank aber nun voll wäre und der Fahrer drin sitzt, dann kommt man auf 2850 kg und dann dürfte man nur noch 650 kg zuladen, es hätten aber 700 kg sein sollen, die man zuladen können SOLLTE. In der Folge haben sie nicht nur die Ablastung widerrufen, sie haben sogar alle Dokumente, die belegten, dass die Dekra das Fahrzeug mal abgelastet hatte, wieder von der Werkstatt (die meine Unterlagen zu dem Zeitpunkt hatte) eingefordert, so dass ich nicht mal nachweisen konnte, dass die Dekra das sehr wohl mal abgelastet hatte. Mehr noch: Sie haben in der Anweisung an die Zulassungsbehörde auch explizit reingeschrieben, dass bei neuen Fahrzeugpapieren die Ablastung rückgängig zu machen ist und das Allerbeste: Sie haben als Leergewicht nicht das tatsächlich Leergewicht von 2850 kg eingetragen, sondern das Leergewicht aus dem Jahre 1985, welches 4550 kg betrug. Mit diesem völlig falschen Leergewicht ist es mir dann auch unmöglich zu einer anderen Stelle zu gehen und zu sagen: Sieh her, das Leergewicht liegt bei nur rund 2,8 t, trag mir doch bitte mal als zulässiges Gesamtgewicht 3,5 t ein.

Der Gipfel der Dreistigkeit war noch der Vorschlag, den die Dekra hatte, das Fahrzeug doch noch abzulasten: Ich könnte ja den kompletten Aufbau mit Plane und Spriegel abmontieren, nochmals das ganze Fahrzeug neu zuzulassen als „LKW Pritsche“, dafür nochmals ein neues Oldtimer-Gutachten erstellen lassen (bei dem es fraglich gewesen wäre, ob es überhaupt positiv ausgefallen wäre) und dann für den kastrierten Robur eine Ablastung zu erwirken. Denn der wäre dann rund 200 kg leichter gewesen. Ich habe sogar ernsthaft drüber nachgedach, trotz Kosten und Ärger das machen zu lassen, aber die Werkstatt meinte gleich: Das ist zwecklos. Die Dekra will nicht und die werden neue Steine in den Weg legen. Allein schon, dass ich bis zu diesem Zeitpunkt nur für den Dekra-Mist rund 600 Euro losgeworden bin – mindestens die Hälfte davon für reine Schikane. Im Nachhinein ganz gut, dass die Werkstatt sich an dem Punkt weigerte, mit der Dekra da nochmal was zu tun zu haben.

Teil IV: Die dritte Ablastung

Ich hab daraufhin mit einer anderen Werkstatt telefoniert, die mir einen guten Tipp gab: Zwar darf in Brandenburg wie in allen neuen Bundesländern tatsächlich NUR die Dekra Fahrzeuge nach §21 abnehmen, ablasten oder was auch immer, in den alten Bundesländern ist es aber der TÜV, der das alleinige Recht dazu hat. Und in Berlin galt demzufolge: In Westberlin macht das der TÜV, in Ostberlin die Dekra. Es war zwar nicht leicht telefonisch einen TÜV-Prüfer in Berlin zu erreichen, da jede TÜV-Niederlassung offenbar geschulte Spezialkräfte bezahlt, deren Aufgabe es ist, ans Telefon zu gehen und dafür zu sorgen, dass man NIE einen Prüfer ans Telefon bekommt, aber es gelang dann doch irgendwann (ich glaube es war der neunte Anruf). Dem TÜV-Prüfer also die Situation geschildert, auch die 125%-Regel erläutert auf die die Dekra pochte und daraufhin die Antwort bekommen: „Klar kann man den Ablasten, die Regel ist ja schließlich nicht verbindlich und noch dazu gibt es ohnehin eine EG-Richtlinie, nach der man das sehr wohl darf.“ Also Termin ausgemacht und hingefahren. Klingt nach wenig Aufwand, aber bei rund 90 km mit dem Robur einfache Strecke und einmal quer durch Berlin, von dort zur Zulassungsstelle nach Lübben zurück, von dort wieder nach Berlin und dann wieder nach Hause war ich tatsächlich rund 14 Stunden außer Haus und das obwohl ich weder beim TÜV noch auf der Zulassungsstelle länger als 20 min warten musste. Heute dann ein letztes mal zur Zulassungsstelle, weil noch die Plaketten auf den Kennzeichen geändert werden mussten und das war’s endlich.

Ich hab noch keine genaue Bilanz aufgestellt, aber ich denke, dass ich am Ende rund 1000 Euro nochmals reininvestiert habe, rund 500 wegen reiner Schikane seitens der Dekra, 300 für die unvermeidlichen Gebühren, die auch im Idealfall angefallen wären (was auch schon viel ist) und 200 für die technischen Probleme und Ersatzteile. Ich hab auch hoffentlich nie wieder ein Auto, welches vier mal innerhalb von drei Monaten eine komplette Hauptuntersuchung durchzumachen hat.

Das nächste was anstünde, wäre, dafür zu sorgen, dass ich die Blaulichter (in funktionsunfähig) wieder draufmontieren darf. Aber ich hab dazu von jemand anderem schon eine für sich sprechende Leidensgeschichte im Internet gefunden. Wenn man die liest, hab ich das Gefühl, echt noch Glück gehabt zu haben.

Siehe hier: http://www.newtonmeter.de/blaulicht/index.html

Bildertechnisch ist es natürlich diesmal etwas dürftig, weil ich weder Nerv hatte, während des Reparierens mit öligen Fingern lauter Fotos zu machen, noch ich die gesammelten Dekra-Mitarbeiter dazu bringen konnte, alle mit mir auf ein Gruppenfoto zu kommen. Bis auf ein Bild des (noch nicht angeschraubten) neuen Nummernschilds hab ich also mal Bilder von Edith, Hermann und Gerti gesucht, die zwischenzeitlich Robur (mit-)gefahren sind.

2 Kommentare zu “Robur Teil II”

  1. Regina Bitto schreibt: -#1

    Hallo Berry,hallo Sushi
    Ich habe jetztdoch sehr schmunzeln müssen über diesen Bericht Eures Robors.Das erinnert mich doch sehr an den Totalaufbau von meinem Schnauferl.Never ending story!Aber es macht, zugegeben, immer wieder unglaublichen Spaß mit dem rüttelnden,stinkenden,eigenwilligen Framo Barkas (ja was ist das nun für ein Auto)zu fahren.Willkommen im Club der Autospinner.Die spannenden Momente,springt er an oder eher nicht-unbeschreiblich.
    Aber dieses Glückgefühtl wenn es dann doch wieder knattert und stinkt wegen der Benzinmischung und die fröhlichen Fehlzündungen die die Fahrten begleiten,das können Fahrer von high tec cars nie erleben
    Herzliche Grüße aus Ebersberg

  2. Beim Lesen dieses Posts zeigte ich reichlich Mimik und Gestik. Von Grinsen über Kopfschütteln bis Grimassen ziehen bis hin zum lauten Lachen 😀 Sehr lesenswert – regelrecht sketchreif!
    Bei solchen Geschichten frage ich mich, wie es eigentlich sein kann, dass mein Leben im Vergleich zu euren Episoden wenig spannend (oder lustig) ist – ich denke, es liegt daran, dass ihr beide quasi gezielt Dinge tut, bei denen andere Leute von vornherein sagen würden: „Das ist mir zu kompliziert“ oder „Wer weiß, was man da alles mit bedenken muss“ und es daher gleich lassen. Aber das find ich gerade gut so :-). Mit einigem Abstand vom Frust dieser Geschichte lacht ihr vielleicht auch mal drüber.

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